Julie Werth und ihr Traum

Julie Werth (links) und ihre Trainerin Annika Gries (rechts)

Wenn man Julie Werth bei ihrem Lieblingshobby beobachten möchte, dann muss man den Blick nach oben richten. Denn die 13-jährige Schülerin ist Trampolinspringerin beim SV Menden – und das zudem noch äußerst erfolgreich. Bei Sprüngen, in denen sie mehrere Meter durch die Luft wirbelt, wird schnell der Traum vom Fliegen wahr.
Seit einigen Jahren springt sie auch bei Jugendturnieren und landet dort regelmäßig auf den vorderen Plätzen. „Ich habe neun Goldmedaillen und auch einige Pokale in meinem Zimmer stehen“, sagt sie voller Stolz. Doch wer sich mit Julie Werth beschäftigt, merkt schnell, dass sie sich auf ihren Erfolgen nicht ausruhen möchte, sondern den Blick nach vorne richtet. Nach der Corona-Pandemie erhofft sie sich, auch bei Landes- und Verbandsmeisterschaften vorne dabei zu sein.Spaß im Vordergrund
Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg, wie sie weiß. In erster Linie ist für die Teenagerin das Trampolinspringen immer noch ein Hobby. „Meine Sportart macht mir wahnsinnig viel Spaß und ich liebe es einfach, beim Springen das Gefühl von Freiheit zu haben. Das fühlt sich schon fast wie Fliegen an“, sagt die junge Mendenerin, die sich gerne auch größeren Herausforderungen stellt. Dabei zeigt sie auch entsprechenden Ehrgeiz. „Ich übe jede Technik und jeden Sprung so lange, bis ich ihn sicher beherrsche“, sagt sie.

Julie Werth weiß genau, dass sie dabei nichts dem Zufall überlassen will. Dementsprechend muss sie viel üben. „Wenn wir keine Corona-Pandemie haben, trainiere ich dreimal in der Woche. Dort übe ich mit meiner Trainerin Annika Gries für Wettkämpfe, probiere neue Sprünge aus“, erklärt Julie Werth den Ablauf eines normalen Trainings. Vor dem Lockdown hat sie dienstags, mittwochs und freitags von 17 bis 19 Uhr trainiert. Zum Trainingsinhalt gehört es aber auch sich die Sprünge gut einzuprägen, denn im Wettkampf gilt es dann, in einer Choreographie die Sprünge in der exakten Folge aufzuführen. Eine Sache, die gar nicht mal so leicht ist und häufig unterschätzt werde.

„Im Training legen wir unsere Folien, wo unsere Choreographien drauf stehen, neben das Trampolin. Wir fragen uns dann in der Mannschaft gegenseitig ab, in welcher Reihenfolge die Übungen dran sind.“ Am Ende einer jeder Trainingseinheit haben die Sportler dann die Möglichkeit, frei auf dem Trampolin zu springen. Diesen Teil nennen Julie Werth und ihre Kolleginnen und Kollegen ganz simpel „gammeln.“

Generell ist der Teamgeist unter den Trampolinspringern beim SV Menden groß. „Bei Wettkämpfen sind wir natürlich alle nervös, aber wir halten da zusammen und motivieren uns, damit jeder das bestmögliche aus sich herausholen kann.“

Körperspannung entscheidend
Ein wichtiger Baustein für den Erfolg in diesem Sport ist für Julie Werth die Körperspannung. „Das ist vor allem wichtig, damit man die Sprünge richtig durchzieht und am Ende auch nicht vom Trampolin fällt. Allerdings ist das Trampolin auch immer gesichert und es stehen immer Hilfsmittel wie zum Beispiel Matten bereit. Generell sind gute Gedanken von Vorteil. Denn wenn man ängstlich ist, gehen Dinge schneller schief. Ich gehe immer mit der Einstellung in den Wettkampf, dass ich es schaffen möchte“, sagt Julie Werth über ihr Erfolgsgeheimnis.

Die 13-Jährige weiß sowohl über ihre Stärken als auch über die Dinge Bescheid, an denen sie noch arbeiten muss. Zu ihren Stärken gehört aus ihrer Sicht die bereits angesprochene Körperspannung. „Allerdings kann das auch schnell zur Schwäche werden. Denn manchmal werde ich dann zu übermütig und probiere beispielsweise beim Gammeln zu extreme Dinge aus. In solche Situationen passieren mir dann auch schnell einmal ein paar Fehler, aber sonst schaffe ich die meisten Dinge doch relativ gut“, erklärt die junge Mendenerin selbstbewusst.

Für sie ist der Trampolinsport genau das Richtige, denn er kombiniert den Individualsport und den Teamsport. Bei der Frage, ob Julie Werth einmal Profi werden möchte, hält sie sich noch zurück. „Das ist natürlich ein Traum. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Ich warte mal ab, was die Zukunft bringt.“

Mathias Scheuren (Redakteur der Westfalen Post Menden)