Rhönrad-Sport ist eine Kombination aus Tanzen und Turnen. Maike Zander vom SV Menden kennt die Tricks

Eine Mischung aus Turnen und Tanzen in einem rollenden Sportgerät. „Das Rhönradturnen ist eine sehr vielfältige und abwechslungsreiche Sportart, bei der schon mal alles kopfsteht“, erklärt die Rhönradtrainerin Maike Zander vom SV Menden.

Das Rhönrad ist in Bewegung und gleichzeitig turnen die Sportler verschiedene Übungen in seinem Gestell. Der Rhönradsport trainiert den ganzen Körper. Das Rhönrad besteht aus zwei großen weißen Reifen, die durch sechs Sprossen miteinander verbunden sind. An den oberen Sprossen sind zwei Griffe befestigt und auf den unteren Sprossen sind zwei Bretter angebracht, auf die die Füße festgeschnallt werden können für einen besseren Halt. Rhönräder gibt es in vielen verschiedenen Größen. Das kleineste Rad beim SV Menden ist Zander zufolge 1,60 Meter hoch und das größte etwa 2,25 Meter.

Körpergröße wichtig
Aber wie wird bestimmt, welches Rhönrad zu einem passt? Laut Zander ist die Körpergröße entscheidend. Das Rad wird so ausgewählt, dass der Turner gestreckt im Rhönrad die Griffe der Griffsprossen gut erreicht. Das Rad wird durch den eigenen Körper in Bewegung versetzen, indem man Schwung holt. Auch abgebremst wird die Rhönradfahrt mit eigenem Körpergewicht. So kann kontrolliert werden, wo das Rad hinfährt. Die 20-jährige Maike Zander betreibt den Sport bereits seit zwölf Jahren. Mittlerweile ist sie in der Turnabteilung des SV Mendens Trainerin für das Rhönradturnen und turnt selbst aktiv im Rad.

An dem Turnen im Rhönrad gefällt Zander besonders gut, dass die Sportart sehr vielseitige Anwendungsmöglichkeiten bietet. „Dieser Sport ist alles andere als langweilig. Dafür sorgen die drei Turndisziplinen, in die der Rhönradsport unterteilt ist“, erzählt die Trainerin. Laut ihr ist das Geradeturnen die leichteste Disziplin für den Einstieg. Das Rad rollt dabei gerade und währenddessen werden verschiedene Übungen rhythmisch nacheinander darin geturnt. Beim Springen wird dem Rad ein kräftiger Schwung gegeben und dann springt der Turner auf das Rhönrad und macht einen Sprung mit Salto oder Drehung nach unten ins Gestell. Die dritte Disziplin ist die Spirale. Dabei wird das Rhönrad angewinkelt, sodass es nur noch auf einem Reifen fährt und der Sportler turnt unterschiedliche Übungen währenddessen im Rad. Aus den drei Disziplinen und den vielen verschiedenen Turnelementen kann man sich im Rhönradsport ganz individuell Küren für beispielsweise Aufführungen zusammen-stellen. „Besonders am Turnen im Rhönrad ist die Vielfältigkeit. Bei keiner anderen Sportart kann man sich in so vielen verschieden turnerische Elemente gleichzeitig ausprobieren“, berichtet Zander. Ihr macht das Geradeturnen am meisten Spaß.

In den drei Disziplinen gibt es auch Wettkämpfe. Darüber hinaus finden Wettkämpfe im Doppelturnen statt. Hier Turnen zwei Sportler nach einer Chorografie in einem Rhönrad miteinander. Auch synchrones Turnen ist eine Wettkampfdisziplin, dabei führen mindestens zwei Turner in jeweils ihrem eigenen Rad eine ausgedachte Kür auf. Auf Veranstaltungen führt die gesamte Rhönradturngruppe des SV Menden. „Das gemeinsame Turnen in größerer Gruppe in den Rädern macht allen immer besonders viel Spaß“, beschreibt Zander. Gerade beim Rhönradturnen mit Partner oder in einer größeren Gruppe ist laut der Trainerin die Absprachen zwischen den Sportlern sehr wichtig, damit es nicht zu Unfällen kommt.

Training für alle Muskelgruppen
Aber welche Körperbereiche werden mit dieser Sportart beansprucht? „Das Turnen im Rhönrad ist ein sehr effektiver Sport, der insbesondere die Körperspannung und somit die gesamte Muskulatur trainiert“, weiß die Trainerin. Damit die Figuren gelingen müssen die Sportler jeweils unterschiedliche Muskeln anspannen. Daher kann es von Vorteil sein, bereits turnerische Erfahrungen zu besitzen. Aber auch die Arme werden beim Rhönradturnen enorm beansprucht. Die Sportart hält den kompletten Köper fit. Der Rhönradsport setzt einen gewissen Grad an Mut voraus. Immerhin befindet man sich nicht nur oft kopfüber in dem Rhönradgestell, sondern turnt dabei verschiedene Übungen, während sich das Rad weiter dreht. „Schwindelig wird einem aber bei den Drehungen um die eigene Achse nicht, da man zu sehr auf die Choreo und die richtige Durchführung der Turnelemente fokussiert ist“, erklärt Zander.

Um diesen Sport auszuführen, brauchen die Turner logischerweise ein Rhönrad. Allerdings macht es laut der Rhönradtrainerin wenig Sinn, sich selbst eins anzuschaffen, da die Räder ziemlich unhandlich sind und der Transport zur Sporthalle daher schwierig gestalten würde. Die Turnabteilung des SV Menden stellt deswegen den Turnern Rhönräder zum Üben zur Verfügung. Die Rhönradgruppe der Turnabteilung setzt sich aus jungen Menschen zwischen zehn und zwanzig Jahren zusammen. Das Rhönrad ist ein reiner Hallensport, da der Boden zum kontrollierten Fahren gerade sein muss. Das ist draußen unmöglich.